Endlich ist die Kurzdoku vom Solilärm Festival 2012 in Aldrans online! Vielen Dank an Sigrid Herz und Gerrit Lantzberg für den Film!

Kundgebungno_borders_no_nations
Donnerstag, 17. Jänner 2013, 17 Uhr
Maria-Theresienstraße (Annasäule), Innsbruck

Seit fast 2 Monaten kämpfen Flüchtlinge in und bis vor kurzem vor der Wiener Votivkirche für ihre Rechte:
selbstbestimmt und von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Ende November 2012 beteiligten sich
hunderte Menschen am Protestmarsch von Traiskirchen nach Wien. Danach errichteten die refugees vor
der Wiener Votivkirche ein Protestcamp und stellten klare Forderungen an Regierung und Bürokratie:

* Recht auf Arbeit – Freier Zugang zum Arbeitsmarkt;
Zitat eines refugee: “We don’t want charity, we want to work and pay our taxes.”
* Freie Wohnortwahl während des Asylverfahrens
* Grundversorgung für alle Asylwerber_innen
* Stopp aller Abschiebungen im Zusammenhang mit der DUBLIN II-Verordnung
* Anerkennung von wirtschaftlichen Fluchtmotiven neben den bisher anerkannten Fluchtgründen

Morgens um 4 Uhr kamen am 28. Dezember hunderte Polizist_innen und räumten in einer verfassungsrechtlich
bedenklichen Nacht-und-Nebel-Aktion das refugee camp im Sigmund-Freud Park. Rund 40 Flüchtlinge kämpfen in der Votivkirche
weiter für ihre Rechte. Einige von ihnen sind schon seit mehreren Wochen in Hungerstreik.

Aus Solidarität mit den Protesten der Flüchtlinge in Wien, Berlin und überall unterstützen wir die Forderungen
uneingeschränkt und veranstalten eine Solidaritätskundgebung in Innsbruck.

Kein Mensch ist illegal!

Eine Initiative von ATİGF (Föderation der Arbeiter_innen und Jugendliche aus der Türkei in Österreich), FLUCHTpunkt, Plattform Bleiberecht & Somali Community

Hier ein Artikel von Iñaki Berazaluce, Marta Molina aus Poonal

Das Datum, an dem sich der heilige Zyklus der Maya änderte und ein Tag, der das Gedenken an das Massaker von Acteal vorwegnimmt. 50.000 ZapatistInnen marschierten maskiert und in Stille durch die wichtigsten Orte von Chiapas. Eine fünfzeilige Erklärung kündigt das indigene Wiedererstarken an… Ein historischer Tag.

Fünfzeiler von Subcomandante Marcos

Subcomandante Insurgente Marcos unterzeichnete die kurze Erklärung, die gestern in letzter Minute vom Klandestinen Revolutionären Komitee der Indigenen der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) verbreitet wurde: “Hab ihr das gehört? Das ist der Klang ihrer Welt, die zusammenbricht. Es ist die unsere, die wiederkehrt. Der Tag, der Tag war, wurde Nacht, und die Nacht wird der Tag sein, der Tag sein wird. Demokratie! Gerechtigkeit! Freiheit!“

Bildquelle: alertaduesseldorf.blogsport.deDie Zeilen von Marcos gaben der geräuschvollen Stille tausender zapatistischer AnhängerInnen, die an genau jenem Tag fünf Orte einnahmen, als sich der 13 B’aktún Maya-Zyklus schloss, wenige Stunden vor dem Gedenken an das Massaker von Acteal, eine Stimme. Etwa 8.000 ZapatistInnen marschierten gegen Mittag mehrere Stunden lang durch die Straßen von Palenque. In der Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas, in San Cristóbal de las Casas, wurden 10.000 ZapatistInnen mobilisiert, in Ocosingo, wo 1994 der Aufstand der ZapatistInnen begann, waren es etwa 20.000 Indigene. Alle unbewaffnet und vermummt.

ZapatistInnen erstmals seit einem Jahr wieder in Städten präsent

Die ZapatistInnen der Region Selva Fronteriza des Caracol (wörtl. übersetzt: Seemuscheln, es handelt sich um die regionale Organisationsform der ZapatistInnen) La Realidad marschierten durch die Stadt Las Margaritas. Die ZapatistInnen der Region Tzotz Choj, des Caracol von Morelia marschierten durch Altamirano, ZapatistInnen der Region Selva Tzeltal vom Caracol La Garrucha marschierten in Ocosingo. Die ZapatistInnen aus dem nördlichen Chiapas, vom Caracol Roberto Barrios marschierten durch Palenque, die ZapatistInnen aus dem Hochland von Chiapas vom Caracol Oventic marschierten durch San Cristóbal de las Casas.

Etwa 8.000 ZapatistInnen, die aus den Dörfern der Sierra rings um Palenque stammen – Altamirano, Ocosingo oder Playa de Catasajá, marschierten in perfekter Formation durch Straßen dieser kleinen Stadt, die berühmt ist, weil sie eine der bedeutendsten alten Mayastädte ist. Es war das erste Mal seit einem Jahr, als die ZapatistInnen die „Bewegung für einen Frieden in Gerechtigkeit und Würde“ (Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad) und Javier Sicilia begleiteten, dass sie ihre Präsenz in den Städten zeigten, eine Demonstration der Stärke, um eine Botschaft an Präsident Enrique Peña Nieto, der gerade seine Amtsgeschäfte aufgenommen hat.

Gouverneur ordnet Zurückhaltung der Armee an

Die neue Regierung unter der Partei der Institutionellen Revolution PRI (Partido Revolucionario Institucional) hat reagiert: Der Gouverneur des Bundesstaats Chiapas, Manuel Velasco, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er der Armee die Anweisung gibt, jede Form der Zusammenstoßes mit den Aufständischen zu vermeiden, wie der Lokaljournalistist José Ángel Arias Valenzuela, der den Marsch der ZapatistInnen für die Zeitung von Palenque begleitete, gegenüber Otramérica erklärte. Der Marsch durch Palenque wurde denn auch von zwei Polizeipatrouillen begleitet, die die Gruppe durch die Hauptstraßen der Stadt geleitete und auch am Rathaus vorbeiführte.

Der Gouverneur ließ zudem in dieser Woche zwei Mitglieder der Unterstützungsbasen der ZapatistInnen frei sowie zwei ihrer Brüder, die seit Monaten im Gefängnis von Motozintla inhaftiert waren. Der neue Gouverneur Velasco Coello versuchte mit diesem Schritt eine Geste der Annäherung an die EZLN, ebenso wie mit seiner Rede bei seinem Amtsantritt am 8. Dezember. Dabei hatte er den politischen und kulturellen Beitrag der EZLN und der Junta del Buen Gobierno (Junta der Guten Regierungsführung). Außerdem setzte er den Haftbefehl gegen Alfonso Cruz Espinosa außer Kraft, einen anderen Aktivisten der Unterstützungsbasen.

Größte Mobilisierung seit Januar 1994

EZLN 21122012 /Bildquelle: www.alertaduesseldorf.blogsport.deObwohl die ZapatistInnen jahrelang wenig Präsenz bei ihren Aktionen gezeigt hatten ist klar, dass ein Großteil der Völker aus den Bergen von Chiapas, wo die Erben der Maya leben, hinter ihnen steht. Die Sozialanthropologin Adriana Leona Rosales verwehrte sich beispielsweise gegen die Meldungen einer angeblichen Apokalypse in Mexiko, denn „man erinnert sich zwar an die alten Maya, ignoriert und marginalisiert aber die Maya der Gegenwart“, die in einigen der ärmsten Dörfer des Landes leben, sowohl in Chiapas als auch auf der Halbinsel Yucatán. In Chiapas nutzten die ZapatistInnen den Aufruhr um den 21. Dezember 2012. In Palenque „hat man keine Angst vor ihnen, aber Respekt“, so der Journalist Arias Valenzuela.

Seit dem vergangenen 17. November sprach man offen von möglichen Mobilisationen der ZapatistInnen. An diesem Tag begingen sie den 29. Geburtstag der EZLN auf dem chiapanekischen Territorium. Am Abend dieses Tages wurde eine Nachricht auf der Seite Enlace Zapatista veröffentlicht, der offiziellen Seite der 6. Kommission der EZLN. Darin wurde eine baldige Wortmeldung des Klandestinen Revolutionären Komitees der Indigenen angekündigt. Die Mobilisierung des 21. Dezember ist die größte seit dem 1. Januar 1994.

(Berlin, 09. Dezember 2012, npl).- Ein Interview mit den Journalisten und Buchautoren Luis Hernández* über Mexikos neuen Präsidenten, Mexico Drug WarUmweltaktivistInnen und das gute Leben.

Enrique Peña Nieto hat jetzt sein Amt als mexikanischer Präsidenten angetreten. Die ehemalige Staatspartei PRI kommt nach zwölf Jahren Unterbrechung wieder an die Macht. Was bedeutet das für das Land?

Immerhin haben wir durch den Wahlsieg Peña Nietos jetzt, nach dem Carla Bruni weg ist, die schönste First Lady der Welt: Angelica Rivera, eher bekannt als „La Gaviota“ – die Möve.

Peña Nieto dürfte die Wahl nicht nur gewonnen haben, weil seine Frau eine berühmte Telenovela-Darstellerin ist. Viele haben den PRI-Politiker gewählt, weil sie hoffen, dass die Partei besser mit der Mafia verhandeln und einen Rückgang der Gewalt erreichen kann. Ist das realistisch?

Die PRI hat angeboten, die alte Ordnung wieder herzustellen. Ich halte das also nicht für ausgeschlossen. Als die PRI noch den Präsidenten stellte, arbeitete sie eng mit den Kartellen zusammen und die illegalen Geschäfte liefen ohne die gewalttätigen Exzesse, die wir jetzt erleben. Das war in der 71-jährigen Amtszeit bis 2000 so und gilt in manchen Regionen bis heute.

Der ehemalige Präsident Felipe Calderón hat mit seiner militärischen Offensive gegen die Mafia das Gleichgewicht zerstört, das bis dato im Guten oder im Schlechten bestand. Calderón hat auf einen Bienenstock geschlagen, und alle Bienen sind wild geworden.

Allerdings macht Peña Nieto nicht den Eindruck, dass er mit dieser Politik brechen will. Auch er setzt auf ein militärisches Vorgehen …

… und hat den kolumbianischen ehemaligen Polizeichef Oscar Naranjo als Berater unter Vertrag genommen. Naranjo zählt zu den zentralen Figuren im Kampf gegen den Drogenzar Pablo Escobar, er arbeitete eng mit der US-Antidrogenbehörde DEA zusammen. Ich nehme an, Peña Nieto hat seine Entscheidung auf den Rat Washingtons getroffen. Die USA machen Druck, damit er Calderóns Linie weiterverfolgt.

Also doch keine friedlicheren Verhältnisse?

Die Frage ist, ob es überhaupt ein Zurück geben kann, ob die Bedingungen für eine Verständigung mit den Kartellen nicht irreversibel zerstört wurden. Im Zuge des Krieges wurden viele wichtige Kapos getötet. Jene, die nachgekommen sind, zeigen sich wilder als ihre Vorgänger. Sie haben weniger Erfahrung und müssen, um ihre Einflusszonen zu verteidigen, noch mehr Gewalt anwenden. Es ist einfacher, die alte Ordnung wiederherzustellen, wenn man zwei oder drei Ansprechpartner hätte. Heute weiß man aber nicht mehr, mit wem man verhandeln soll.

Parlament und Regierung haben in der letzten Legislaturperiode mehrere Initiativen ins Leben gerufen, um die Lage der Menschenrechte zu verbessern. Was hat das gebracht?

Das vom Parlament abgesegnete Opfergesetz wurde von Calderón boykottiert und musste deshalb überarbeitet werden. Nun steht es zwar erneut auf der Tagesordnung, doch bedeutende Kräfte wie die Friedensbewegung bezweifeln, dass es noch viel bewirken kann. Die Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger und Journalisten können nicht durch Gesetze gestoppt werden. Das Problem ist die Straflosigkeit und der fehlende Willen, für Gerechtigkeit zu sorgen. Ein Beispiel aus meinem neuesten Buch: In San Luis Potosí wehren sich seit Jahren Anwohner gegen eine Mine. Sie haben alle juristischen Mittel ausgeschöpft und drei Beschlüsse erkämpft, die einen Abbaustopp verfügten. Trotzdem wird dort weiterhin Gold und Silber gefördert.

Man kennt Sie als großen Kenner des indigenen Zapatismus und Gewerkschaftsexperten. Wie kommt es dazu, dass Sie sich jetzt mit Umweltfragen beschäftigen?

In Mexiko wird derzeit in wilder Form die Umwelt zerstört. Der offene Tagebau spielt dabei eine große Rolle, aber auch immer mehr Wasser ist vergiftet, ganze Wälder werden abgeholzt. Zudem soll der Anbau gentechnologisch veränderten Maises bald legalisiert werden. Schon jetzt ist Mexiko eine große Müllhalde. Das hat zu einem guten Teil mit dem Entwicklungskonzept zu tun, das hinter der Freihandelspolitik steckt.

Wieso?

Die mexikanische Industrie war ab Ende der 1970er Jahre stark von den Maquiladoras, den Weltmarktfabriken im Norden des Landes geprägt. Mexiko bot billige Arbeitskräfte. Mit dem Freihandelsvertrag zwischen den USA, Kanada und Mexiko, der 1994 in Kraft trat, boomte die Region regelrecht. Schon das führte dazu, dass die Umwelt kollabierte: Abwässer wurden hemmungslos in den Rio Bravo geleitet, giftige Gase aus Gießereien verschmutzten die Luft. Doch als dann 2001 China der WTO beitrat und wesentlich günstigere Arbeitskräfte bot, migrierten viele der internationalen Unternehmen in den Osten. Innerhalb von vier Jahren ging die Zahl der Maquiladoras auf die Hälfte zurück. Das veranlasste die Regierung de facto zu einem Moratorium der Umweltauflagen. Sie schloss die Augen, wenn diese Gesetze verletzt wurden, damit die Industrie nicht in den Umweltschutz investieren muss. Das hat schwere Zerstörungen der Natur sowie große gesundheitliche Schäden hervorgerufen. In einigen Regionen sind die Krebserkrankungen zehnmal höher als im bundesweiten Durchschnitt, Kinder werden ohne Gehirn geboren. Auch schwerwiegende Hautprobleme stehen häufig im Zusammenhang mit dem Ausstoß giftiger Abfälle der Industrien, offener Müllhalden oder der Wasserverschmutzung.

Aber offensichtlich regt sich Widerstand?

Die zerstörerische Entwicklung führt zu zahlreichen Protesten. Vor allem arme ländliche und städtische Bevölkerungsschichten wehren sich. Am stärksten leiden indigene Gemeinden, denn sie verfügen ja über den größten natürlichen Reichtum. Da geht es um die Ressourcen, die die Menschen zum Überleben brauchen. Sie sind Umweltschützer geworden, weil sie existenziell bedroht sind. Wahrscheinlich würden sie sich selbst gar nicht so nennen und identifizieren sich nicht mit dem Begriff Umweltschützer. Ich würde von einer ökologischen Bewegung der Armen sprechen.

In Deutschland verbindet man die Umweltbewegung eher mit der Mittelschicht, die Grünen stehen zum Beispiel dafür.

In Mexiko galt die Umweltproblematik lange Zeit als Luxusproblem der Gesellschaften der 1. Welt. Doch nun ist diese ökologische Bewegung von unten entstanden. Die Menschen wehren sich dagegen, dass die Bäume ihrer Wälder gefällt werden, Staudämme die Erde austrocknen oder offener Tagebau Boden und Wasser vergiftet. Zugleich leiden die Aktivisten unter denselben Problemen wie die große Mehrheit der sozialen Bewegungen: Sie werden kriminalisiert und sind schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Viele wurden ermordet, gewaltsame Repression ist alltäglich.

Wer steckt hinter den Aggressionen?

Für die Angriffe gegen Bergbaugegner sind meist die Minenunternehmen verantwortlich. Zum Beispiel die kanadische Firma Blackfire, die in Chiapas agiert. Dort wurde Mariano Barca ermordet, der sich gegen den giftigen Abbau von Mineralien wehrte. Eines Tages erschienen vor seinem Haus drei Killer und erschossen ihn. Die Ermittlungen ergaben, dass die Attentäter Verbindungen zu Blackfire hatten. Später wurden sie aber einfach eingestellt. Auch in San José de Progreso in Oaxaca wurde ein Wortführer der Bewegung gegen den Bergbau ermordet. Dort stecken die Pistoleros mit dem örtlichen Bürgermeister, dessen Umfeld von der Mine profitiert, und dem Unternehmen unter einer Decke. Andernorts sind illegale Holzfäller für die Angriffe verantwortlich. Häufig sind Polizisten und Behörden beteiligt.

Welche Rolle spielt die Mafia?

Die Drogenkartelle brauchen Territorium, um Marihuana und Mohn zu pflanzen. Zudem müssen sie Kokain transportieren, das aus Kolumbien kommt. Und sie brauchen menschliche Ressourcen, Killer zum Beispiel. In ihrer Strategie der territorialen Kontrolle zählt der Schutz der Umwelt nicht gerade zu ihren größten Sorgen. Häufig sind sie gleich mehrfach in Geschäfte involviert: Im Bundesstaat Michoacán lassen sie illegal Holz fällen und transportieren Drogen. Entsprechend terrorisieren sie die Bevölkerung. Zudem muss die Mafia Geld waschen, ein guter Teil ihres Vermögens geht in große touristische Projekte, durch die unter anderem viele Mangroven zerstört werden.

Zurück zur legalen Wirtschaft: Welche Rolle spielen europäische Firmen?

Die Spanier verhalten sich wie die neuen Kolonisatoren. Sie besetzen viele Räume, die vorher US-Territorium waren. So zum Beispiel das Energieunternehmen Endesa und der Erdölkonzern Repsol, aber auch Baufirmen und Betriebe, die giftige Müllhalden hervorrufen. Andere sind wie Aguas de Barcelona in die Privatisierung von Wasser in urbanen Zonen involviert. Die Menschenrechtsklausel, die im Kooperationsvertrag zwischen der EU und Mexiko festgeschrieben ist, interessiert da niemand.

In Bolivien und Ecuador, wo starke indigene Organisationen das Verhältnis zur Natur auf die politische Agenda gesetzt haben, hat sich eine Debatte über das Konzept des „Buen Vivir“ entspannt. Diese Idee eines „erfüllten Lebens“ setzt auf ein Leben im Einklang mit der Natur. Gibt es in Mexiko ähnliche Diskussionen?

Man verwendet nicht diesen Begriff, aber diskutiert über das, was sich dahinter verbirgt: Die Harmonie mit der Natur und in den Beziehungen zwischen den Menschen. Damit beschäftigen sich auch bei uns vor allem Indigene. Sie klagen Autonomie und das Recht auf Selbstbestimmung ein, haben eigene Behörden sowie Regierungen und kümmern sich um die Wiederbelebung ihrer Traditionen. In der Gemeinde Cherán kämpfen sie etwa gegen die Abholzung ihrer Bäume. Der Waldschützer ist in indigenen Gemeinden eine wichtige Person.

Das Konzept des Buen Vivir wird aber auch von sozialen Bewegungen reflektiert. Indigene Intellektuelle importieren es aus Südamerika, aber auch die Leitfigur der Friedensbewegung Javier Sicilia, der im Kampf gegen die Gewalt eine sehr wichtige Rolle spielt, ist davon inspiriert. Seine Vision ist dem Konzept des Buen Vivir ähnlich.

*Luis Hernández Navarro, geb. 1955, ist als Redakteur der linken mexikanischen Tageszeitung La Jornada für die Meinungsredaktion verantwortlich. Er ist Mitbegründer unabhängiger Gewerkschaften und beriet u.a. die indigene zapatistische Guerilla EZLN in Verhandlungen mit der Regierung. Er veröffentlichte mehrere Bücher über die Zapatisten, indigene Autonomie und Gewerkschaftskämpfe. Jüngst ist sein Buch „Wer Beton sät, wird Zorn ernten – Mexikos Umweltbewegung von unten“ (Unrast-Verlag, Münster, 200 Seiten, 14 Euro, ISBN: 978-3-89771-049-8)in Deutschland erschienen.

http://www.npla.de/de/poonal/4064-die-oekologische-bewegung-der-armen

Wir haben dieses Mail aus den Philippinen bekommen…
SMI-Xstrata is a Swiss corporation which has a mining application in south Cotabato, Mindanao. Despite the resistance of the community the Philippine government is backing -up the said application.  In order to silence the resistance the government use the military. 13 people was killed including 8 years old boy and 3 months pregnant women.  The culprit is based in Switzerland where the biggest anarchist gathering was held. We are asking you’re support to put pressure to the corporation to stop the destruction of natural resources and to seek justice for the victims.

more details

Gegen einen Aktivisten der “Plattform Bleiberecht” läuft im Moment ein Strafverfahren wg. §281 StGB

(“Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze”), der einem Strafrahmen von bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe umfasst. Dem Aktivisten wird vorgeworfen, dass er im Rahmen einer politischen Kundgebung am Weltflüchtlingstag zum /”allgemeinen Ungehorsam gegen ein Gesetz, nämlich §120 Abs. 3 FPG (Fremdenpolizeigesetz)”/ aufgerufen habe. Dieser Paragraf ist – so wie das gesamte “Fremdenrecht” – absurd und gegen die Menschenrechte gerichtet. Aber er ist halt Gesetz. Bestraft werden damit alle Menschen, die “/einem Fremden den unbefugten Aufenthalt [...] wissentlich erleichtern./”

Mehr Infos

Die Gerichtsverhandlung findet am Donnerstag, 15. November um 8.30 Uhr am Bezirksgericht Innsbruck, Museumsstraße statt.

SOLIDARITÄT!

Breite Unterstützung und Beteiligung beim Gerichtstermin ist sehr erwünscht!

NO BORDERS, NO NATIONS!

Am 8. August versammeln sich in der Schweiz 3.000 Menschen aus der ganzen Welt, um bei dem größten anarchistisches Treffen teilzunehmen und über die Aktualität und die Möglichkeiten des heutigen Anarchismus zu diskutieren.

Diesbezüglich interviewte “der Standard” den Innsbrucker Anarchist Gabriel Kuhn:

Schriftsteller Gabriel Kuhn über den Ruf der Untergrund-Bewegung und ihre größte Niederlage

Wenn ab Mittwoch an die 3.000 Anarchisten im schweizerischen Saint-Imier zusammenkommen, wird Gabriel Kuhn mittendrin sein. Der österreichische Schriftsteller beschäftigt sich seit Schulzeiten mit der Idee einer herrschaftsfreien Welt und und gehört beim größten Anarchistentreffen der vergangenen 20 Jahre zu den Vortragenden. Zuvor erklärt er im Gespräch mit derStandard.at, welche Unstimmigkeiten die Untergrund-Bewegung beschäftigen, wie sie an ihrem Ruf arbeiten kann und warum eine totale anarchistische Reinheit nicht möglich ist.

derStandard.at: Herr Kuhn, erklären Sie doch bitte die Nachteile des Anarchismus.

Kuhn: Der größte Nachteil ist, dass sich Anarchismus nur sehr schwer in die Praxis umsetzen lässt. Die Idee selbst ist wunderbar, dass Menschen herrschaftsfrei, gerecht und solidarisch leben sollen. Das spaltet sich allerdings an gewissen Realitäten, und der Anarchismus hat darauf bis heute nicht die richtigen Antworten parat, sonst wäre er auch stärker.

derStandard.at: Wo liegen da genau die Probleme?

Kuhn: Dazu gibt es unterschiedliche Deutungen. Manche sagen, dass das anarchistische Denken nicht vereinbar ist mit dem menschlichen Trieb, dass Individuen nur dann etwas leisten, wenn sie einen persönlichen Nutzen daraus ziehen können. Andere, so wie ich, sind der Meinung, dass das nicht triebgesteuert ist, sondern durch die Sozialisation in den herrschenden politischen Systemen entsteht. In jedem Fall ist das so stark internalisiert, dass es schwer für uns ist, Alternativen zu entwickeln.

Daher finden sich auch Beispiele für funktionierenden Anarchismus am ehesten in kleinen Gruppen, in freundschaftlichen oder familiären Kreisen. Je größer und komplexer die Gruppe wird, desto schwieriger ist es, die Ideale umzusetzen.

derStandard.at: Es werden sicher Lösungsansätze in der anarchistischen Bewegung diskutiert.

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